Man sagt, dass der Kontakt zwischen den beiden Linien an zwei Punkten stattfindet, die unendlich nah sind, während der Kontakt an einem oder mehreren separaten Punkten stattfindet.


Kunstpavillon, München 2020
Kunstpavillon, Munich 2020

Installation
Holz, bedruckter Stoff

Installation
Wood, printed fabric


Fotos/photographs: Sebastian Quast, Lena Engel





Wie im Gespräch mit der umgebenden Architektur wirkt die Installation aus Holz und Stoff. Ohne ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit aufzugeben, ist sie im Dialog mit den Bedingungen und Besonderheiten des Raumes. Und das nicht nur formal. Der Kunstpavillon im Alten Botanischen Garten im Zentrum Münchens ist ein Relikt der Nazizeit, ein riesiger Kubus - beispielhafte Architektur des Dritten Reiches. Ohne diesen Kontext zu kennen, kam der Künstlerin anfangs die Idee, Banner zu hängen. In ihrer Auseinandersetzung mit Räumlichkeit ein konsequenter Ansatzpunkt zur Erforschung der individuellen Gegebenheiten. Der Bruch in der Hängung - die Stoffe werfen Falten, reichen bis auf den Boden, sind noch einmal umgeschlagen - reflektiert die Wirkung solch großer Banner und greift damit auch den historischen Kontext auf.

Der auslotende und forschende Umgang mit Materialitäten steht im Zentrum der Arbeiten Leal Olloquis. Wir erleben sowohl im verwendeten Material als auch in der Formensprache einen intensiven Austausch, eine Kommunikation, zwischen geometrischen und organischen Formen und Assoziationen. Das organische Material Holz als klar geometrisch formgebendes Element, der synthetische Stoff als organischer, der Schwerkraft ausgesetzter Bestandteil der Installation. Die Formen wiederholen sich, verändern sich doch, greifen sich auf und brechen sich.

Auch die auf den Stoff gedruckten Formen spielen auf ähnliche Art mit Gegensätzen. Von einem längeren Aufenthalt in Neuseeland inspirierte spontane Zeichnungen und Collagen wurden aus ihrem analogen Kontext gelöst und digital neu nachempfunden. Sie sind erkaltete Erfahrungen in organische Formen gepackt. Die ihnen dadurch eigene Sprache tritt in Kontakt mit ihrer Umgebung, den Linien in der verglasten Decke, der klaren Architektur, greift Gedanken auf, widerspricht.

(Text: Niklas Hlawitschka, 2020)


The wood and fabric installation appears to be in conversation with the surrounding architecture. Without giving up its autonomy and independence, it’s in a dialogue with the conditions and characteristics of the space. And not just formally. The Kunstpavillon in the Old Botanical Garden in the city center of Munich is a relic of the Nazi era: a huge cube, exemplary architecture of the Third Reich. Without knowing this context, the artist initially came up with the idea of hanging banners, a consistent starting point for exploring individual conditions in her investigation on spatiality and space. The break in the hanging - the fabrics fold, reach to the floor, have been turned over again - reflects the effect of such large banners and thus also takes up the historical context.

Plumbing the depths and a researching use of material is central to Leal Olloqui's work. We experience an intense exchange, a communication between geometric and organic forms and associations, both in the material used and in the language of forms. The organic material wood as a clear, geometrically shaping element, the synthetic fabric as an organic component of the installation exposed to gravity. The forms repeat, but change, pick each other up and break.

The shapes printed on the fabric play with opposites in a similar way. Spontaneous drawings and collages inspired by a longer stay in New Zealand were removed from from their originally analogue context and digitally recreated. They are experiences that have become cold, now packed into organic forms. Their language contacts their surroundings, the lines in the glazed ceiling, the clear architecture, picks up on thoughts, contradicts them.

(Text: Niklas Hlawitschka, 2020)